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Autor:
Martina Dören
Gynaecologist
Letzte Änderung: 20/03/2003


Depression
Allgemeine Reizbarkeit, Nervosität, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, abnehmende Belastbarkeit, depressive Grundstimmung und Kopfschmerzen, Rücken- und Gelenkbeschwerden, Herzklopfen u. a. können unspezifische klimakterische Beschwerden sein. Sie sind nicht zwangsläufig an ein Östrogendefizit gebunden, da sie auch bei zahlreichen nichtorganischen und organischen Erkrankungen von Frauen und Männern jeglichen Alters, auch Kindern auftreten können. Insbesondere Müdigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen, oft sogenannte psychische oder psychovegetative Symptome, werden als nichtöstrogenabhängige Befindlichkeitsstörungen angesehen. Je nach Untersuchung (epidemiologische und klinische Studien: Bevölkerungsbezug?, Repräsentanz?, longitudinale / querschnittartige Erfassung von Symptomen?) werden diese Störungen in ganz unterschiedlicher Häufigkeit gefunden. Pathophysiologisch werden sie mit Östrogeneffekten auf zentrale Neurotransmittersysteme (Endorphine, serotonerges und adrenerges System) in Verbindung gebracht.

Schlafstörungen sind eine bei Frauen und Männern aller Altersgruppen häufige Befindlichkeitsstörung, die sehr verschiedene Ursachen haben. Die Schlafstörungen im Rahmen des klimakterischen Syndroms können unter dem Aspekt verlängerter Einschlafzeiten und Wachphasen, verkürzter REM-Phasen, Abnahme der Schlaftiefe und Gesamtschlafdauer betrachtet werden. Wenn klimakterische Frauen während des Schlafes Hitzewallungen erfahren, wird eine Aufwachphase eingeleitet. Die von klimakterischen Frauen beklagte Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit wird auch in Zusammenhang mit einer Abnahme der REM-Phasen diskutiert. Untersuchungen in Schlaflaboratorien zeigen, dass etliche Frauen, die über Schlafstörungen und Schlaflosigkeit klagen, normale Einschlafzeiten bei normaler Schlafdauer haben. Man nimmt an, dass nicht die Verkürzung der Gesamtschlafdauer, sondern die Unterbrechungen der Schlaf-Wach-Zyklen und die Verminderung der REM-Phasen für die Beeinträchtigung der Schlafqualität verantwortlich sind. Östrogene können die Schlafqualität verbessern, sofern sie Teil eines vasomotorischen Beschwerdekomplex sind. Ob die Schlafarchitektur (EEG) durch Östrogene positiv beeinflusst wird, ist wenig untersucht. Je nach Untersuchung (bevölkerungsbezogene Stichprobe ? Patientinnen einer Am-bulanz / Klinik ?) geben postmenopausale Frauen an, "depressive Verstimmungen" oder "Depressionen" zu haben. Unter diesen Begriffen können sich vorübergehende Befindlichkeitsstörungen, aber auch schwere, endogene Depressionen verbergen. Eine allgemeine Antriebsverminderung und Leistungsverminderung, die viele Lebensbereiche einbezieht, akut und ohne Grund auftritt und dem eigenen Willen nicht mehr untergeordnet scheint, kann auch von Frauen in Peri- und Postmenopause erlebt werden; genuine Depressionen treten im Klimakterium aber offenbar nicht gehäuft auf und sind damit der spezifischen Therapie durch Östrogene nicht zugänglich. Andererseits zeigt eine neuere 3-monatige, placebokontrollierte Studie, dass Östrogene zu einer Remission von Symptomen einer Depression führten.

Obwohl es biologisch plausibel ist und zahlreiche präklinische Daten dafür sprechen, das Östrogene als positiv anzusehende Effekte im Bereich des ZNS ausüben, besteht derzeit keine überzeugende, positiv bewertbare Datenlage hinsichtlich der bisher durchgeführten, häufig methodisch zu bemängelnden klinischen Studien zur Verbesserung der Kognition im Alter (z. B. Partialfunktion wie Erinnerungsvermögen) durch eine Östrogentherapie. Vorangehende systematische Analysen kamen im wesentlichen zu ähnlichen Ergebnissen. Die wenigen, prospektiven, randomisierten, placebokontrollierten Studien zeigen keine positiven Effekt einer Östrogentherapie auf Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung bei Anwendung standardisierter, validierter Instrumente.

Prospektive Kohortenstudien legen eine vermindertes Risiko für M. Alzheimer bei (langzeitiger, frühzeitig einsetzender) Östrogenanwendung nahe, andererseits werden in etlichen ebenfalls prospektiven Kohortenstudien keine Hinweise gefunden, dass eine Östrogentherapie eine mit dem Alter zunehmende Verminderung kognitiver Partialfunktionen verhindern kann. Es gibt derzeit keine Evidenz aus RCTs für eine Anwendung von Östrogenen zur Prävention einer Demenz. Die Östrogentherapie bei Frauen, bei denen bereits Symptome von M. Alzheimer diagnostiziert wurden, zeigt keine positiven Effekte allerdings wiesen 2 dieser prospektiven klinischen Studien nur 3 bzw. 4 Monate Laufzeit auf.

Aus der Women's Health Initiative werden auch Daten zur Inzidenz von M. Alzheimer erhofft, da der Arm mit der kombinierten Östrogen und Gestagen-Therapie nach 5,2 Jahren vorzeitig abgebrochen wurde, sind nur noch Langzeitdaten zur Östrogen-Monotherapie mit 0,625 mg konjugierten equinen Östro-genen/Tag aus dieser bisher größten prospektiven, randomisierten, placebo-kon-trollierten Studie zu dieser Fragestellung zu erwarten.

Zusammenfassung
Bei neu aufgetretenen Schlafstörungen oder depressiver Symptomatik im Kontext vasomotorischer Beschwerden - Hitzewallungen - kann eine Östrogentherapie versucht werden. Wenn keinerlei Beschwerdebesserung eintritt, sollte diese Therapie beendet werden und eine weiterführende Diagnostik erfolgen. Wenn Hitzewallungen verschwinden, können sich auch diese Symptome bessern (sogenannter Domino-Effekt).

Eine Östrogentherapie ist nach derzeitigem Wissenstand kein Therapeutikum zur Prävention oder Therapie einer Demenz (M. Alzheimer).

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Lettes Update: 09/09/2003